Tyll Zybura

Lehre und Lerne | Teach and Learn

Workshop „Empathisches Handeln in Lehr-Lern-Beziehungen“

Tyll Zybura | 30 Nov 2020 |

Vielen Dank an die Teilnehmer*innen des Online-Workshops „Empathisches Handeln in Lehr-Lern-Beziehungen: menschliche Kommunikation auf Augenhöhe“, den ich vergangenen Donnerstag im Rahmen des Personalentwicklungsprogramms der Uni Bielefeld durchgeführt habe!

Workshop-Notizen und Slides

In dieser Form habe ich den Workshop zum ersten Mal veranstaltet und war ein bisschen aufgeregt, weil es mir auch darum geht, Situationen zu diskutieren, in denen wir als Lehrende uns unsicher fühlen in unserer Beziehung zu Studierenden; Situationen, in denen es uns schwer fällt, empathisch und wertschätzend zu sein; oder Situationen, in denen wir uns wünschen, mehr Empathie entgegengebracht zu bekommen. Es kann Mut erfordern, darüber offen zu kommunizieren.

Aber schon die vielen Beispiel-Situationen und persönlichen Erfahrungen aus Lehre und Betreuung, die die Teilnehmer*innen in der Vorstellungsrunde eingebracht haben, haben mich beruhigt: Wir konnten offen und mit großem Interesse am persönlichen Austausch sprechen, und ich war mir auch sicher, dass ich genug Tools und Strategien mitgebracht hatte, um der großen Bandbreite der Beiträge gerecht zu werden.

Fragen, die aufkamen, waren zum Beispiel: Wie gehe ich mit Schweigen oder wenig Mitarbeit im Seminarraum um? Wie moderiere ich ‚schwierige‘ Beiträge im Plenumsgespräch souverän und einfühlsam? Wie kommuniziere ich schlechte Klausurergebnisse auf einfühlsame Art und Weise? Wie baue ich eine persönlichere, gegenseitig wertschätzende Beziehung mit Studierenden überhaupt auf? Wie vermeide ich eigene Überforderung, wenn empathische Kommunikation doch so viel Zeit erfordert? Wie gehe ich mit dem Frust um, dass mein ausführliches Feedback nicht eingearbeitet wird?

Ich bringe zur Diskussion solcher Fragen sowohl Haltung als auch Strategien mit: Viele Schwierigkeiten lösen sich einerseits, wenn wir uns die Prämissen unseres Handeln bewusst machen und den Bezugsrahmen nur ein bisschen ändern; andererseits habe ich ein Arsenal von konkreten Praktiken, die uns die Änderung unserer Haltung leichter machen.

Nur ein Beispiel:

Gerade für diejenigen von uns, die sich richtig gute Lehre auf die Fahnen geschrieben haben, ist es oft schwer zu ertragen, wenn Studierende offenbar gänzlich andere Prioritäten haben als wir selbst sie als Studierende gehabt haben. Wir investieren doch soviel, warum wird dem nicht mit der gleichen Begeisterung begegnet?

WOLLEN-SOLLEN-SYNDROM nenne ich diese oft wohlmeinenden Vor-Urteile von Lehrenden darüber, was Studierende in unseren Seminaren ‚wollen sollten‘ – und es ist Thema in diesem Workshop, weil der Frust darüber, dass unsere Wunschvorstellungen an der Lebensrealität von Studierenden vorbeigehen, uns darin behindert, die wertschätzenden menschlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten, die wir uns eigentlich wünschen.

Eine Lösung, die ich für WOLLEN-SOLLEN-SYNDROM anbiete, nenne ich PROBLEMFASTEN – sie basiert vor allem auf einem differenzierteren Bewusstsein dafür, wer in unseren Lehr-Lern-Beziehungen eigentlich Verantwortung wofür hat und wofür nicht.

Wenn wir akzeptieren, dass wir das Lernen von Studierenden nicht kontrollieren – sondern nur unterstützen oder behindern – können, fällt es uns oft leichter, urteilsfreie Kommunikation als Teil unserer Verantwortung für das Unterrichtsgeschehen wahrzunehmen.

Diese Art von Kommunikation wiederum lässt sich konkret üben, mit Formulierungen und Fragen, die wir unseren Gegenübern stellen – das ist Teil der Praxis-Strategien, die ich im Workshop vermittle.


Dies nur als kleiner Einblick. Wenn du meinst, mein Workshop könnte für dein Fach oder Kollegium interessant sein, empfiehl ihn doch für das Fortbildungsprogramm deiner Universität oder Institution – ich würde mich freuen!

Und am 21. Januar 2021 gebe ich den bereits etablierten Online-Workshop zum Thema „Effektives und wertschätzendes Feedback auf studentische Texte geben“. Vielleicht habt ihr Lust, dabei zu sein!


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